BOOM Projekte Berlin EDDI 34-35

2008 Berlin, Wettbewerbsbeitrag Prozessuale Stadtentwicklung Tempelhofer Feld – Columbiaquartier, BOOM; Philipp Reinfeld, Florian Steinbeck + Ljubica Heinsen, GHP Landschaftsarchitekten

Einer der attraktivsten Siedlungsorte des Menschen ist seit jeher der Grenzbereich zwischen Grünraum und Bebauung. Eine solche ideale Grenzfläche findet sich zwischen dem “Hohlraum” des Tempelhofer Feldes – der einem baurechtlichen Außenbereich nach §35 BauGB nicht unähnlich ist – und dem per Definition zum “Innenbereich” (§34 BauGB) zu entwickelnden Planungsgebiet Columbiaquartier. Der Maximierung und Qualifizierung dieses Übergangs gilt unsere besondere Aufmerksamkeit: Ein offenporiges, multimaßstäbliches Gewebe, das in graduell changierender Maschenweite eine enge Verzahnung von Grünraum, Bebauung und differenten Nutzungen entstehen lässt. Anstelle eines klaren “Entweder Oder” tritt ein dynamisches Nebeneinander. Es kann so eine Struktur im Columbiaquartier entstehen, die die Möglichkeit des “Sich-Näherkommens” von verschiedenen (Bau)Typen, Funktionen und Programmen fördert, und so eine positive und dynamische “Kontroverse” zulässt bzw. fördert. Dies kann nicht allein durch klassische PLANUNG erreicht werden, sondern nur über das zusätzliche Installieren intelligenter REGELN. Mit der Aufstellung von Regeln entsteht ein Möglichkeitsraum, eine Umgebung ähnlich einer Petrischale. Kein “Laissez-fair” sondern ein dynamisches System mit klaren, aufeinander reagierenden Parametern. Da großmaßstäbliche Entwicklungen in den seltensten Fällen vorhersehbar oder beeinflussbar sind, werden die lokalen, nachbarschaftlichen Realitäten zur Entwicklung eines regelbasierten Gebietes um so relevanter: Zukunft kann in diesem Sinne nur gelenkt werden aus einem ernsthaften Erkennen und Bewerten des jeweiligen Hier und Jetzt, welches als Grundlage einer Projektion in die Zukunft dient. Ziel unseres Vorschlags ist somit die Erschaffung einer Matrix, eines Gewebes als strukturelle, funktionale und programmatische Ableitung und Fortführung des Bestehenden. Die hierzu nötigen Regeln können bei ständiger Beobachtung der durch sie erzeugten Realitäten jeweils begleitend aktualisiert, präzisiert, verbessert oder abgewandelt werden. So entsteht ein auf Dauer prozessuales und dynamisches Entwicklungssystem. Die Bewertung und Anpassung der Randbedingungen dieser Regeln muss dabei maßgeblich in die Hände der im Einzugsbereich des Gebietes wohnenden und arbeitenden Bevölkerung gelegt werden.


Erschliessung Bestand

Nachbarschaftliche Struktur- u. Nutzungsableitung

"Siebliniendiagramm" Größenstaffelung Gebäudevolumen

"Möglichkeitsgewebe"

Pachtregel

Strukturierende Baumreihenpflanzungen

Grünstruktur Gesamtgebiet

Gesamtkonzept, verschiedene Entwicklungsphasen